»Kein Lungentumor gleicht dem anderen«

Juli 2019 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

»Kein Lungentumor gleicht dem anderen«

Neue Therapieansätze sorgen für eine deutlich höhere Lebenserwartung und -qualität bei Lungenkrebs. In großen Zentren kommen die bereits zum Einsatz.

Privatdozent, Dr. Niels Reinmuth Leitender Oberarzt, Asklepios Lungenfachklinik Gauting
Asklepios / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. Reinmuth, obwohl es in der Therapie bahnbrechende Neuerungen gibt, sterben nach wie vor die meisten Krebspatienten an Lungenkrebs. Woran liegt das?
Lungenkrebs verursacht in frühen Stadien kaum Symptome und wird daher bei über 60 Prozent der Patienten erst im Spätstadium erkannt, wenn sich schon Fernmetastasen gebildet haben. Wie Sie jedoch richtig sagen, gibt es auf therapeutischer Ebene zahlreiche bahnbrechende Entwicklungen, die sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern.

 

Mit welchen Verbesserungen können Patienten dank moderner Therapieformen heute rechnen?
Vielversprechend sind derzeit vor allem neue Ansätze in der zielgerichteten und der Immuntherapie. Bei einem nicht kleinzelligen Lungenkarzinom und bestimmten molekularen Veränderungen können wir einem Patienten beispielsweise mit einer Tablettentherapie noch eine Lebenszeit von weit über fünf Jahren ermöglichen – und das mit einer verhältnismäßig hohen Lebensqualität. Mit klassischer Chemotherapie lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei gleicher Erkrankung bisher zwischen zehn und 14 Monaten.

 

Sie sprechen von mehreren neuen Therapieansätzen. Wird individuell entschieden, für welchen Patienten welcher Therapieansatz am besten passt?
In der Tat ist die Behandlung von Lungenkarzinomen mit der Vielzahl an neuen Ansätzen deutlich individueller geworden. Während sich die Onkologie früher immer die Frage stellen musste, was den Patienten mit einer so relativ kurzen Lebenserwartung noch zugemutet werden kann, können wir heute deutlich offensiver in die Therapie gehen – mit entsprechend positiven Resultaten. Allerdings ist hierfür eine gewisse Erfahrung nötig, weshalb es ratsam ist, immer auch ein großes Zentrum mit in die Therapieentscheidungen einzubeziehen.

 

Wodurch zeichnen sich Lungenzentren wie das Ihre aus?
In erster Linie macht die Summe an Erfahrungen die Behandlungsqualität aus. Denn kaum ein Lungentumor gleicht einem anderen. Hinzu kommen der bereits angesprochene Behandlungsfortschritt, der natürlich kontinuierliche Fort- und Weiterbildungen sowohl für das Ärzte- als auch das Pflegeteam erfordert. Grundsätzlich kann jeder Chirurg ein Lungenkarzinom im operablen Stadium entfernen. Doch erst die Erfahrung und ein über die Jahre erworbenes Know-how sorgen dafür, dass – wie Studien zeigen – eine OP an einem großen Zentrum ein deutlich niedrigeres Risiko hat. Und auch in der Diagnostik können wir als von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Zentrum eine andere Qualität vorhalten, als es in einer nicht spezialisierten Klinik möglich wäre.

 

Bei allem medizinischen Fortschritt: Wie viel zahlt die menschliche Komponente auf den Behandlungserfolg ein?
Aus meiner Sicht ist der menschliche Aspekt das A und O in der Onkologie. Wir haben hier in Gauting das große Glück, sehr eng und vertrauensvoll mit unseren Patienten zusammenarbeiten zu können. Die Anteilnahme an den einzelnen Fällen ist im gesamten Team sehr groß – das ist nicht immer einfach, für mich aber ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Behandlung.

 


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